billig-banner24® verabschiedet Hans-Lothar Fauth, den „König der Nacht“
Hansestadt Hamburg / Hansestadt Lübeck , 11.01.2011
Der einstige „König der Nacht“, Hans-Lothar Fauth, hat am Sonntag, 08.01.2012 seine Augen für immer geschlossen. Er verstarb im Alter von 83 Jahren in der Uniklinik Lübeck.
Knud Hagedorn, billig-banner24: „Hans Lothar hat mich über 25 Jahre meines Lebens begleitet. Als Vater meines lieben Freundes Nanno, war Hans-Lothar mehr als nur der Vater eines Freundes. Er hat mich inspiriert und mir in vielen und langen Gesprächen einiges über das Geschäftsleben und die hanseatischen Tugenden erklärt. Sein Verständnis für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit war mehr als innovativ, er war der Zeit immer einen Schritt voraus. Trotz seines hohen Alters war er bis zum Schluss ein Gesprächspartner auf Augenhöhe, der durch Witz, Charme und so manche Spitzfindigkeit paralysierte. Hans-Lothar begrüßte mich am Telefon stets mit dem Spruch: „Knud mein Junge, hier spricht Dein alter Freund und Geschäftspartner“. Am 16.05.1996 überreichte er mir zu meiner ersten Selbstständigkeit eine Banknote, die mich bis heute begleitet und mir viel Glück gebracht hat. An dieser Stelle möchte ich den Hinterbliebenen mein Beileid aussprechen. Ich wünsche Euch in dieser schweren Zeit viel Kraft. Ich denke, dass uns Hans-Lothar als Querdenker und umtriebiger Geschäftsmann lange in guter Erinnerung bleiben wird.“
Die Lübecker Nachrichten schreibt:
Lübeck - Der einstige „König der Nacht“, Hans-Lothar Fauth, hat am Sonntag seine Augen für immer geschlossen. Er verstarb im Alter von 83 Jahren in der Uniklinik. Lübeck ist um eine außergewöhnliche Persönlichkeit ärmer.
Man konnte sich an ihm reiben, man musste nicht alles gut finden, was Hans-Lothar Fauth in der Hansestadt bewegt hat oder zu bewegen versucht hat. Doch selbst Kritiker des einstigen „Königs der Nacht“, der in seinem „Café Fauth“ mit „Tokio Bar“ halb Lübeck und viel Prominenz versammelte, erkennen an: Hans-Lothar Fauth, der gebürtige Danziger und Ehrenbürger seiner Heimatstadt, hat auch in Lübeck viele Spuren hinterlassen.
„Es ist ein Verlust für die Stadt und für mich persönlich“, sagt Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), der von Hans-Lothar Fauth als einer Persönlichkeit spricht, „die immer für eine Überraschung gut war – und ein Mensch, der sowohl für seine Heimatstadt Danzig, als auch für die Hansestadt Lübeck viel getan hat“. Fauth werde, ist Saxe überzeugt, in Erinnerung bleiben.
Fauth war Zeit seines Lebens eine facettenreiche Persönlichkeit. So machte er keinen Hehl daraus, dass er – obschon katholisch erzogen – ein begeisterter Hitlerjunge war, der als 16-Jähriger im August 1944 zur Wehrmacht einberufen wurde. Doch die Gräuel des Krieges öffneten ihm die Augen. Er musste miterleben, wie seine gleichaltrigen Freunde von russischem Granatfeuer getötet wurden. Als er am 30. Dezember 2011 vom Krankenbett in der Uniklinik aus mit den LN sprach, sagte er: „Ich habe zweimal im Leben ein schlimmes Weihnachtsfest erlebt – dieses im Krankenhaus, und Weihnachten 1944 als junger Soldat, als wir Danzig verteidigen mussten.“
Doch am 30. Dezember 2011 war er nicht ohne Hoffnung: Als gläubiger Katholik und Marien-Verehrer habe er das Stoßgebet „Maria, hilf!“ gesprochen. Damals, nach Krieg und Gefangenschaft, führte die Erkenntnis über die Verblendung und den Missbrauch durch die Soldaten dazu, dass er 1947 in ein Dominikanerkloster bei Bonn eintrat.
1952 kam Fauth nach Lübeck, absolvierte eine Drogistenlehre und gründete den „Bund Europäischer Jugend“. Er wurde Gastronom, war Inhaber von sieben Gastronomiebetrieben und stand dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) vor. Sein Ruf war legendär, auch unter Kollegen. „Ach Mensch“, sagt Uschi Winkelmann (68), als sie von Fauths Tod erfährt. Die langjährige Wirtin der Kult-Kneipe „Rauchfang“ hat oft und viel mit Fauth zu tun gehabt. „Ich erinnere mich, dass er immer zum Abschluss der Nächte im ,Café Fauth’ gesungen hat. Und ich fand es toll, dass er als honoriger Gastronom zu allen besonderen Anlässen in meine kleine Eck-Kneipe gekommen ist, um zu gratulieren.“
Doch Hans-Lothar Fauth war mehr als ein umtriebiger Gastronom: Er war viele Jahre DRK-Kreisvorsitzender, einige Jahre Vorsitzender des Sozialverbandes, von 1982 bis 1994 für die CDU Mitglied der Bürgerschaft. Schon früh setzte sich Fauth für die Versöhnung mit Polen ein und erhielt als erster Deutscher den Orden „Kommandeur Kreuz mit Stern Polonia Restituta“ der polnischen Regierung. Er war zudem Träger des Bundesverdienstkreuzes, der Senatsplakette und weiterer Auszeichnungen.
Auch in der katholischen Kirche hat sich der überzeugte Demokrat und Pazifist engagiert, in den vergangenen Jahren setzte er sich stark für die Ehrung aller vier Lübecker Märtyrer – auch des Protestanten Karl Friedrich Stellbrink – ein. Schlagzeilen machte er, als er eigenhändig eine gespendete Gedenk-Plakette für die Märtyrer an den Rathaus-Arkaden anschrauben oder als er der finanzschwachen Stadt seinen Mercedes als Dienstwagen schenken wollte.
Fauth war Zeit seines Lebens ein Querdenker: Er setzte um, was ihm am Herzen lag. Das führte bisweilen zu Ärger mit seiner Partei, der CDU. Wie 2001, als er der Schill-Partei in Lübeck den Weg bereitete. Auch als er sich im Bürgermeisterwahlkampf 2011 in mehreren Anzeigen für Bernd Saxe aussprach, dürften die Christdemokraten „not amused“ gewesen sein.
Auch seine Familie – Ehefrau Nanny (73), Sohn Nanno (39) und Tochter Flavia (42) – haben das Querdenkertum zu spüren bekommen. „Es war nicht immer einfach, die Tochter von Hans-Lothar Fauth zu sein“, sagt Flavia. „Aber in den letzten Jahren haben wir uns angenähert, und er war ein Vater, der seine Kinder in allen Belangen unterstützt hat.“ Heiligabend war die Familie bei ihm im Krankenhaus, auch Nannos Sohn Jannes (3), der geliebte, bislang einzige Enkel.
Die Trauerfeier findet am Freitag, 20. Januar, um 11 Uhr in der Herz-Jesu-Kirche statt.
Quelle: www.ln-online.de
